Oft hilft ein Bericht außenstehender Personen einen anderen Blick auf Dinge zu bekommen, die sonst nur einseitig erzählt werden. Daher finden Sie hier einige Erfahrungsberichte vorheriger Teilnehmer. 

Selbstbewusstsein hat man oder hat man nicht? Ganz so einfach lässt sich das nicht sagen. Sich seiner selbst bewusst zu sein, das bedeutet nämlich, sich immer wieder neu anzusehen, Zeit mit sich selbst zu verbringen und die eigene Entwicklung zu beobachten. Deshalb kann es durchaus mal Phasen geben, in denen wir uns nicht ganz so wohlfühlen in unserer Haut oder in einer neuen Rolle. An der Stage School Hamburg gibt es ein Coaching, das einem in solchen Phasen helfen soll, trotzdem sicher zu wirken. "Wie es tief in dir drin aussieht, das geht keinen etwas an", sagt die Dozentin Karin Frost-Wilcke.

Sie ist klein, zierlich, hat graue Haare, eine rote Brille und ihr "Guten Morgen" vibriert wie ein Versprechen durch den Seminarraum. Es ist Samstagmorgen, ich hatte noch keinen Kaffee und ich habe "Schiss" wie man bei uns in Norddeustchland sagt. Gemeinsam mit elf Fremden und unserer Dozentin sitze ich hibbelig auf meinem Stuhl in einem Proberaum der renommierten Hamburger Stage School. Hier werden normalerweise angehende Musicalstars in Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet. Heute sitzen wir hier, um mit Hilfe einer Schauspieldozentin unser Selbstbewusstsein aufzupolieren. Wie das gehen soll an einem einzigen Wochenende? Keine Ahnung!

Ach SO ist das!

Besonders viele Infos bekommen wir nicht. Erst einmal soll jeder sagen, weshalb er hier ist. In mir drin dreht sich die Wahrheit mit einer "schönen Antwort" im Kreis. Die Wahrheit ist: Ich kenne mich jetzt seit 33 Jahren und mag mich ehrlich gesagt ziemlich gerne. Ich finde mich witzig, klug und meistens bin ich ein ziemlich netter Mensch. Letzteres ist aber nicht immer eine Stärke. Je älter ich werde, desto mehr geht mir mein eigener Zwang, "nett" zu sein, tierisch auf den Senkel. Wenn ich mit Menschen rede, verliere ich ganz schnell meine eigenen Interessen aus den Augen. Ich werde zum Ja-Sager, entschuldige mich für Dinge, die ich gar nicht falsch gemacht habe und sage Sachen zu, über die ich mich im Nachhinein ärgere. Wenn das alles wäre, würde ich damit noch klarkommen. Aber die Sache hat einen weiteren Haken: Immer nette Menschen nimmt kein Mensch ernst. Ich kann das sogar verstehen, ehrlich gesagt. Weil ich sowieso immer alles verstehe. Schrecklich!

"Selbstsicherheit hat viel mit Konzentration zu tun"

Unsere erste Übung: Namen lernen. Aber zackig. Wir haben wenige Sekunden, um uns die Vornamen unserer Mitstreiter zu merken, dann geht es los. Jemand zeigt mit dem Finger auf mich, ich muss seinen Namen nennen. Keine leichte Aufgabe für einen Träumer. "Um souverän zu sein, darf ich nicht abdriften und muss aufmerksam in der Situation bleiben", erklärt Karin Frost-Wilcke. Da ist was dran. Nach ein paar Runden sind wir bei Vorname, Stadt und Blume. Mein Gehirn raucht. Dann wird es spannend. Wir werden eingeteilt in Chef und Angestellter, der Chef soll seinen Angestellten jeweils mit einem unangenehmen Thema konfrontieren. Ich stelle erschrocken fest, dass ich erleichtert bin, als Angestellter den Anschiss kassieren zu dürfen. Alles besser, als einen anderen Menschen in Verlegenheit zu bringen. Ich mache meine Sache gut. Einstecken kann ich. Doch ich habe mich zu früh gefreut: Wir sollen Rollen tauschen. Meine Aufgabe: Ich soll den über zwei Meter großen Mann vor mir darauf hinweisen, dass es eher ungeschickt ist, mit Knoblauchfahne Kunden zu empfangen. Erst nett. Das kann ich. Dann soll ich die letzte Warnung aussprechen. Ich soll wirklich sauer sein. "Schrei ruhig mal! Du hast es Herrn Maier ja auch schon hundert Mal gesagt." Oh Mann. Ich soll einen riesigen Mann anschreien. Wegen seiner Knoblauchfahne. Ich, die ich es schon furchtbar finde, meinen engsten Freunden freundlich zu sagen, wenn mich was genervt hat. "Herr Maier", beginne ich mit gerunzelter Stirn und halbherzig erhobenem Zeigefinger. "Es wäre wirklich nett, wenn Sie..." "STOP!", schreit Karin Frost-Wilcke und sieht mich entgeistert an. "SO willst du dich durchsetzen?" Ich nicke. "Naja, wenn ich es ihm vorsichtig sage, dann ...." Ich komme nicht weit. Mit zorniger Miene stürzt meine zierliche Dozentin auf den verdatterten Kursteilnehmer zu. "Herr Maier!", donnert es durch den Raum. Wir schrecken alle zurück. "Wenn ich Sie hier noch einmal mit Knoblauchfahne sehe, dann sind Sie RAUS!" Totenstille im Raum. "Achtung, das ist übrigens keine Anleitung, wie man ein guter Chef ist!", sagt unsere Dozentin mit ruhiger und fester Stimme. "Es geht mir einfach nur darum, Euch zu zeigen, welche Macht Stimme und Körper haben können." Wir recht sie doch hat.

Tag 2 bringt den Durchbruch

Einen Tag später sitzen wir wieder zusammen. Ich leider mit einem fetten Kater und genau vier Stunden Schlaf hinter mir, weil ich am Samstag noch "kurz" auf einen Geburtstag gegangen bin. Meine Stimme klingt heiser, sie hätten gestern nicht die Backstreet Boys spielen dürfen, dann hätte ich nicht so grölen müssen. Nun gut. Am Ende war es vielleicht gar nicht so schlecht. Die Müdigkeit und der schwindelnde Kopf wirken irgendwie enthemmend. Wir machen Stimmübungen, Sprechtechnik-Übungen, laufen durch Türen, halten improvisierte Reden, brüllen und flirten uns an. Ich stehe nur Zentimeter vor einem fremden Mann und soll die Nähe aushalten, ohne zu kichern. "Wir kichern und winden uns meist aus Verlegenheit", lerne ich. "Dabei kann man sehr viel aushalten, wenn man sich konzentriert." Es stimmt. Wir sehen uns an und halten es einfach aus, uns zu nahe zu kommen. Danach wird es wieder wütend. Ich nehme mir vor, es diesmal besser zu machen. "Komm zurück!", schreie ich durch den Raum. "Komm zurück!" Nach dem fünften Mal bin ich zufrieden. Unsere Dozentin auch. "Genau so", lobt sie mich und ich stolziere mit vor Stolz geschwellter Brust wieder auf meinen Platz.

Was ich gelernt habe

Am zweiten Tag gibt es eine Menge Feedback. Wir geben uns Tipps zur Körperhaltung, sagen uns, wie wir aufeinander wirken. Dabei kommt raus: Die anderen finden mich gar nicht so "nett". Was erstmal hart klingt, ist eine gute Nachricht für mich. "Ich finde, du strahlst ganz viel Souveränität aus. Du wirkst kein bisschen nervös, wenn du vor Menschen sprichst." Ich bin platt. Ich? Souverän? "Du wärst eine tolle Chefin!", sagt mir eine andere Kursteilnehmerin in der Mittagspause. Bitte was? Ungläubig schaue ich in die Runde. "Ernsthaft jetzt?" Die anderen bestätigen die Meinung. "Ich glaube, du kannst deine Meinung gut vertreten und bist sehr durchsetzungsstark." Ich denke über ihre Worte nach und merke, dass sie recht hat. Ja, ich kann das tatsächlich. Nicht nur rumschreien, sondern auch argumentieren und mich durchsetzen. Das habe ich jetzt zwei Tage lang gemacht. Im echten Leben da draußen tue ich es einfach nur nicht, weil ich Angst habe, anzuecken. "Aber Menschen, die anecken, sind viel authentischer und oft auch beliebter als die anderen", beruhigt mich Karin Frost-Wilcke. Ich gehe ein paar Leute in meinem Bekanntenkreis durch und merke: Ja, genau so ist es. Die Leute, die ich am liebsten mag, sind nicht unbedingt die bequemsten. Sie lassen mich nicht immer nur wohlfühlen. Sie geben mir ehrliches Feedback. Und sie sagen auch mal NEIN.

Hält das auch?

An diesem Sonntagabend gehe ich anders nach Hause. Allein schon meine Körperhaltung hat sich verbessert und ich merke: Mein Körper gibt der Seele die Richtung vor. Ein erhobener Kopf, eine stolze Brust, all das macht mich größer, auch innerlich. Am nächsten Tag kann ich direkt ausprobieren, ob das Wochenende etwas gebracht hat. Ich soll einer anderen Abteilung präsentieren, wie wir ein Problem gelöst haben. Ich laufe mit festen Schritten nach vorne, lächle freundlich und lege los. Innerlich bebe und zittere ich. Seit gestern weiß ich: Niemand wird es merken. "Wie es tief in dir aussieht, geht niemanden etwas an", denke ich in Dauerschleife und merke, wie ich mich beim Sprechen langsam beruhige. Hier in der freien Wildbahn wird mir niemand sagen, dass ich das souverän gemacht habe. Aber ich sehe den Gesichtern an, dass es so ist. Nach dem Vortrag kommt eine Kollegin zu mir. "Kannst du mir nachher nochmal eine Mail schicken, um mich an den Termin morgen zu erinnern?" Ich staune. Warum soll ich versprechen, sie an ihre Termine zu erinnern? Noch vor drei Tagen hätte ich trotzdem ja gesagt. Jetzt ist das anders. "Nein", sage ich mit fester Stimme und gebe ihr ein Post-it. "Hier kannst du es dir aufschreiben." Ich sehe, dass sie damit nicht glücklich ist. Das ist mir aber egal. Denn ich bin es. Weil ich einfach mal nicht nett zu ihr, aber dafür umso netter zu mir selbst war.

Quelle: www.barbara.de

Bevor man zum Seminar Personality Coaching kommt, geht es wahrscheinlichen allen Teilnehmern so, dass man nicht genau weiß, was auf einen zukommt. Natürlich zeigt die Homepage bereits ein Fundament, aber wie werden diese Inhalte an dem Wochenende umgesetzt?

Genauso ging es mir am 22. August 2015, wo ich am Seminar teilnehmen wollte. Und was soll ich sagen? Alle meine Erwartungen oder Vorstellungen wurden komplett übertroffen! Zuerst einmal handelt es sich um eine herausragende Dozentin, die durch ihre freundliche Art aus allen Kursteilnehmern viele Kleinigkeiten herausgeholt hat!

An dem Kurskonzept hat mir gefallen, dass es fast nur praktische Übungen und Tipps gab und nicht - wie wahrscheinlich in anderen Seminaren - mir Theorie vermittelt wurde, die ich auch mit einem Buch hätte erlesen können. Diese Übungen haben mir persönlich so viel geholfen und ich kann nur jedem empfehlen dieses Seminar zu belegen! Definitiv 5 Sterne

von Florian K - August 2015

Personality Coaching mit Karin - tja, was soll man sagen, wenn man restlos begeistert ist? Genau dies: Das Seminar lebt davon, dass die Gruppe klein ist, wenig Theorie und viel, nein, fast nur Praxis auf dem Plan steht. Die Theorie wird quasi in den Anweisungen und Zusammenfassungen erarbeitet. Und davon, dass Karin immer die Teilnehmer mit ihrer ganzen Persönlichkeit erfasst und im Auge behält. Umgekehrt kann man sich selbst ins Auge fassen: Durch das beständige Feedback nach jedem Abschnitt bleibt die Konzentration oben, fast immer ganz oben. Aussteigen, innerliches Abschweifen ist schwierig bis unmöglich. Nicht weil der Takt der Übungen so hoch ist, sondern weil man dran bleiben will, weil die Arbeitsatmosphäre sehr persönlich ist, so konkret an dem einzelnen Teilnehmer. Die persönliche Ansprache und Wichtigkeit des Erlebten in den Übungs- und Spielsituationen ist hoch.

Ein Beispiel: Wie öffnet man ein Tür zu einem Vortragsraum? Es gibt tausend Arten, das zu tun, und jeder macht das anders. So wird eine Alltagshandlung zum Spiegel der Persönlichkeit. Allein wie man die Tür öffnet, ob man beim Schließen der Tür weiter in den Raum blickt oder nicht - alles hat Wirkung, alles ist wichtig. Achtsamkeit ist gefragt. Das muss man üben, das kann man, darf man, soll man hier üben. Immer wieder. Sicherheit lebt vom Training. Also machen wir im Seminar alles gemeinsam und oft mit vielen Wiederholungen. Training heißt auch: Was ich im Seminar begonnen habe, muss ich zuhause weiter tun. Gleiches gilt fürs Atmen während des Vortrags, die Emotionen, die Transport werden sollen. Perfektion ist nicht gewollt, Echtheit ist gefragt: Am Ende des Seminars stehen keine Klone von Karin da, sondern acht Teilnehmer, die wissen, wo sie sich selbst an die Hand nehmen können - und müssen. Und wo sie loslassen müssen und dürfen. Das geht an die Grenzen und oft auch darüber hinaus.

Als Gruppe und einzeln vor der Gruppe geht man mit Karin über diese Grenzen. Das Neue, das Ungewohnte, das Fehlende werden erlebt - unddamit auch für andere in der Gruppe sichtbar. Jeder ringt auf seine Weise mit sich und der Aufgabe und die Stimmung im Seminar ist immer geschützt, nie verletzend. Einige Übungen sind entblößend, zeigen Schwächen auf, aber nie wird jemand bloßgestellt. Und genau das bringt weiter. Karins Stärke liegt darin, dass sie jeden Teilnehmer treffsicher einschätzen kann: Sie weiß, mit wem sie was machen kann, wem sie was zumuten kann und wem nicht. Diese Grenzen hält sie peinlich genau ein. Das tut gut, das wirkt nie aufgesetzt das macht das Seminar so wertvoll. Zwei anstrengende Tage, die sich eingeprägt haben. Liebe Karin, vielen Dank für diese tolle Erfahrung.

von Stefan S. - August 2015

An persönlichen Schwächen zu arbeiten, ist harte Arbeit – dachte ich. Umso überraschter war ich, als das zweitägige „Personality Coaching“ richtig Spaß machte. Und das blieb nicht die einzige Überraschung…

Samstagmorgen in der Stage School Hamburg. Gesangsfetzen dringen aus dem Nebenraum, einige verspätete Tänzer eilen leichtfüßig durch den Gang. Ich checke noch mal das Programm – nicht, dass ich jetzt gleich tanzen oder singen soll. Nein, Entwarnung. Karin Frost-Wilcke ist Leiterin der Schauspielabteilung und wird uns mit Schauspiel-, Improvisations- & Sprechtechniken „auf Erfolgskurs“ bringen.

Wir sind sechs Teilnehmer (Maximale Teilnehmerzahl 12), vier Frauen und zwei Männer im Alter von Mitte 20 bis Mitte 40. Und wir sind nicht direkt aufgeregt, aber eine gewisse Grundspannung ist schon spürbar. Aber nicht lange. Karin, zugewandt und mit ruhiger, positiver Ausstrahlung, fragt nach unseren Zielen. Die reichen von frei sprechen und präsentieren können, einer stärkeren Stimme, über einen besseren Einklang von Selbst- und Fremdwahrnehmung bis zu meinem persönlichen Ziel: Souveränität.

Karin macht sich Notizen, scheint im Geiste die Seminarinhalte auf unsere individuellen Wünsche auszurichten und führt uns dann durch eine Stärken- und Schwächen-Analyse. Ergebnis: In Sachen Selbstkritik macht uns so leicht keiner was vor, mit Eigenlob hingegen sind wir eher zurückhaltend. Für Karin ist dies keine Überraschung. „Das wollen wir jetzt mal umprogrammieren. Es kann doch nicht sein, dass wir immer nur unsere Schwächen vor Augen haben. Das hält doch kein Mensch aus!“ Und schon bringt sie uns auf die Beine. Wer ein Seminarwochenende á la ´Lass uns das mal ausdiskutieren` erwartet hat, ist hier falsch. Karin setzt auf praktisches Ausprobieren.

Wir gehen im Raum herum und Karin gibt Situationen vor, die wir körpersprachlich umsetzen sollen. Es geht um Körperhaltung und -Spannung, aber auch um Fokus-Halten. Dann folgen Atem-, Sprech- und Artikulationsübungen. Karin beobachtet, bestärkt und erklärt: „Ein bisschen mehr Mundraum, dann fließen die Töne besser!“

Bei der anschließenden Improvisationsübung schlüpfen wir abwechselnd in die Rollen Chef/Mitarbeiter. Die Chefs machen sich groß, nehmen einen arroganten Gesichtsausdruck ein, recken das Kinn. „Nein“, lacht Karin. „Rettet euch nicht in Klischees. Spielt es nicht, seid es! Es geht mir um Authentizität, nicht um eine Comedy-Nummer.“

Die Aufgabe lautet: „Nein“-Sagen. Die meisten von uns haben damit so ihre Schwierigkeiten. Dabei fühlt es sich gar nicht übel an, dem vermeintlichen Chef ein entschiedenes NEIN entgegen zu schleudern. Überraschend ist allerdings, was alles dazu gehört, um wirklich überzeugend zu wirken. Nach den Stimmübungen hat mein Ton schon einen gewissen Nachdruck, nur meine Körperspannung lasse noch zu wünschen übrig, findet Karin. „Da geht noch was“, ermuntert sie mich. Und tatsächlich, mit festem Stand und geradem Rücken erscheint selbst mir meine Ablehnung deutlich glaubwürdiger. „Der Körper spricht immer“, erklärt uns Karin. „Wichtig ist, dass wir uns unserer Außenwirkung bewusst sind und sie entsprechend einsetzen.“

Das erfolgreiche „Nein“-Sagen hat das Selbstbewusstsein gestärkt. Und das können wir gut gebrauchen, denn nun folgt unser erster „Auftritt“. Der Raum wird zur Bühne auf der jeder von uns mit einer kurzen Rede ein bekanntes Sprichwort erläutern soll. Als Requisiten gibt es eine Tür und ein Podium. Die Bühnentür klemmt ein ganz klein wenig. Das solle uns nicht stören, findet Karin. „Nutzt die Chance, das Publikum mit eurem ersten Eindruck zu gewinnen. Also tretet ein, lächelt und haltet Augenkontakt.“

Und was ist? Jeder, wirklich ausnahmslos jeder, dreht sich um, um die widerspenstige Tür ordentlich zu schließen. „Kümmert euch nicht um die Tür. Denkt an eure Wirkung“, versucht Karin es noch mal – aber nein, keiner von uns kann die Finger von dem blöden Ding lassen. Und dennoch, im Grunde ist das irritierende Requisit ideal. Denn es symbolisiert perfekt die Hürde des nervenaufreibenden Moments in das Blickfeld des Publikums treten zu müssen…

Einmal am Podium finde ich erstaunlich schnell in meine Rolle. Ich lächle zur Einstimmung, lasse den Blick über die Anwesenden gleiten und spreche ruhig und mit Betonung.

Gut, mein Herz schlägt bis zum Hals und ich vergesse den halben Text, aber mir geht nicht die Luft aus, wie bei früheren Vorträgen, und soweit ich es beurteilen kann werde ich auch nicht puterrot. Zeit für das Feedback.

„Du ruhst in dir“, befindet Karin.

Ich starre sie an.

„Natürlich weiß ich, dass du aufgeregt bist. Aber du wirkst souverän“, bekräftigt sie. Und eine angenehme Stimme bescheinigt sie mir auch noch. Ich bin baff – und spiegle das überdeutlich mit meiner Mimik.

Karin lacht. „Niemand von uns hört sich so, wie andere unsere Stimme wahrnehmen. Und kaum jemand ist von seiner eigenen Stimme sonderlich angetan. Darum vertrau ruhig auf das Feedback, das du bekommst!“

Da ist sie wieder, die Aufforderung zu mehr Mut. Sich mehr zuzutrauen und an sich zu glauben. „Nutzt die Atemübungen gegen die Nervosität und die Artikulationsübungen, um noch in der letzten Reihe klar und deutlich verstanden zu werden“, rät sie.

„Aber“, schränkt sie ein. „Ihr müsst trainieren!“ Keiner würde nach einem einzigen Besuch im Fitness-Studio erwarten, gleich mehrere Kilos zu verlieren. Doch sie erlebe immer wieder, dass ihre Teilnehmer von einem einzigen Wochenendseminar Wunder erwarteten. „Ich zeige euch den Weg und die Zeit reicht auch, um euch erste Erfolge spüren zu lassen. Wie es dann weiter geht, habt ihr selbst in der Hand.“

Und recht hat sie. Das Stimmtraining jedenfalls zeigt schon am zweiten Tag Wirkung. „Hierher, Hofhund!“, sollen wir einem imaginären Vierbeiner befehlen, natürlich mit ordentlich Power in der Stimme. Und als mein Kommando dann kraftvoll quer durch den Raum gellt, bleibe ich wie vom Donner gerührt stehen – war ich das gerade? Auch die anderen Teilnehmer schauen verblüfft. Karin aber lobt, „Ja, genau so! Klasse!“

Nachdem wir an unserer Sprache gearbeitet haben, wird es wieder körperlich. In einer weiteren Impro-Übung geht es um Emotionen: Freude, Wut und Trauer. „Sucht nach einer Erinnerung, einer bereits vorhandenen Emotion. Durchlebt es“, fordert Karin uns auf und ich bin überrascht, wie schnell in einer Runde voller Fremder eine vertrauensvolle Atmosphäre entstanden ist. Jeder geht aus sich heraus. Beim Thema Wut springe ich sogar erschrocken einem Teilnehmer aus dem Weg. Was sieht der zornig aus!

Und ich? Wir sind bei der Trauer angekommen und es dauert nicht lange, da fühle ich mich richtig niedergeschlagen.

Man, die Frau ist echt gut. Sie holt tatsächlich echte Emotionen aus uns heraus. „Das ist wichtig. Damit ihr euch mal beobachten könnt. Ich gebe euch Impulse, damit ihr spürt, wie euer Körper bei welchen Emotionen reagiert. Dann habt ihr es in der Hand, euren Körper zu steuern, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.“

Apropos Wirkung. Zur Abrundung des Seminars geht es zum Schluss noch kurz um unser Äußeres. Für die persönliche Typberatung bekommt Karin Unterstützung von Adriano dos Anjos Bento, Hairstylist und Visagist mit brasilianischen Wurzeln und gerade zurück von der großen Sommer-Tournee mit Helene Fischer. Nachdem er also eben noch den Schlagerstar auf der Bühne hat strahlen lassen, wirft er nun einen kurzen Blick auf meinen nicht mehr ganz frisch getönten Haarschopf und befindet: „Ich mag den natürlichen Look! Es gibt viele Frauen, die sich ihrer grauen Haare nicht zu schämen brauchen.“ Naja, wenn ich meine grauen Haare wirklich zu schätzen wüsste, würde ich sie nicht tönen – also diskutiere ich mit Adriano die Vor- und Nachteile eines wirksameren Chemieeinsatzes. „Ich würde nur den Haaransatz färben und in den Spitzen Tönung verwenden. So bleibt dein Haar schön gesund“, erklärt er mir. Dann hantiert er etwas mit Foundation, Concealer und einem Transparentpuder herum und schon verschwindet jegliches Anzeichen von Müdigkeit aus meinem Gesicht. „Und deine graublauen Augen betonen wir mit einem leicht-goldenen Lidschatten, siehst du?“ Und ob ich sehe. Ich sehe frisch und natürlich aus. Keine Spur von dem Maskenhaften, das ein klassisches Makeup manchmal ausmacht. Kommen bei diesem Themenfeld eigentlich auch die Männer auf ihre Kosten, frage ich Adriano. „Oh ja“, lacht er. Seine Typberatung richte sich gleichermaßen an Männer wie Frauen und stoße stets auf großes Interesse. 

Eine Woche später, der Alltag hat mich wieder. Und die Erkenntnisse aus dem Seminar – bloße Erinnerung an ein unterhaltsames Wochenende?

Tatsächlich haben sich die Worte Körperspannung, Fokushalten und ´Stimmführung durch eine gute Atemführung`, in meinem Hinterkopf eingenistet und ich bilde mir ein, dass sich meine Körperhaltung verbessert hat und meine Stimme kräftiger klingt. Vor allem aber eines hat sich tief in mein Bewusstsein eingegraben: „Du wirkst souverän“, hatte Karin meinen Vortrag bewertet. Das ist zwar nicht das gleiche, wie souverän zu sein. Doch es ist ein überaus ermutigender erster Schritt. 

von Yvonne S. - Juli 2015